Kontakt bei Fragen, Sorgen oder Beschwerden
Wenn Du eine Frage, Sorge oder Beschwerde im Zusammenhang mit dem Schutz von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hast, kannst du dich vertraulich an unsere Ansprechperson wenden.
Junges Theater Köln e.V.
E-Mail: olga.moldaver@junges-theater-koeln.de
Auch anonyme Hinweise sind möglich. Wir nehmen alle Anliegen ernst und behandeln sie vertraulich.
1. Einleitung / Leitbild
Junges Theater Köln e.V. versteht sich als dokumentarisches und politisches Theater, das gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen künstlerische Prozesse gestaltet und gesellschaftliche Themen wie Demokratie, Antisemitismus, Rassismus, soziale Ungleichheit und Diversität verhandelt. Aus dieser inhaltlichen Haltung ergibt sich ein hoher Anspruch an den Schutz aller Beteiligten. Die Würde und Unversehrtheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind zentrale Leitlinien für die Arbeit des Theaters. Jede Form von psychischer, körperlicher, digitaler oder sexualisierter Gewalt sowie jede Form der Diskriminierung wird entschieden abgelehnt. Das Ziel des Schutzkonzepts besteht darin, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, Risiken zu reduzieren, klare Strukturen und Zuständigkeiten festzulegen und sowohl Mitarbeitende als auch junge Menschen zu stärken, ihre Rechte zu kennen und ihre Grenzen zu äußern.
2. Geltungsbereich und Zielgruppe
Das Schutzkonzept gilt für alle Angebote, Veranstaltungen und Tätigkeiten des Junges Theater Köln e.V., unabhängig davon, ob diese in den eigenen Probenräumen, in Schulen, in Kooperationsinstitutionen, bei Gastspielen, auf Reisen oder im digitalen Raum stattfinden. Es richtet sich an alle Personen, die im Rahmen der Tätigkeit des Theaters mit jungen Menschen in Kontakt stehen. Dazu gehören fest angestellte Mitarbeitende, freie Künstler:innen, Honorarkräfte, Ehrenamtliche, Studierende, Praktikant:innen sowie Kooperationspartner:innen. Ebenso umfasst der Geltungsbereich alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an Projekten, Workshops oder Aufführungen teilnehmen.
3. Begrifflichkeiten
In diesem Konzept werden die Begriffe Gewalt, Grenzverletzung und sexualisierte Gewalt im Sinne gängiger Kinderschutzstandards verwendet. Gewalt bezeichnet jede Handlung, die physische, psychische, digitale oder strukturelle Übergriffigkeit beinhaltet. Sexualisierte Gewalt beschreibt Handlungen, bei denen Sexualität gezielt eingesetzt wird, um Macht auszuüben, unabhängig davon, ob es zu körperlicher Berührung kommt. Grenzverletzungen entstehen, wenn die persönlichen Grenzen einer Person unbeabsichtigt oder bewusst überschritten werden; sie können verbal, körperlich oder emotional erfolgen und sind besonders im künstlerischen Kontext relevant, da körperliche Nähe und emotionale Intensität häufig Teil des Arbeitsprozesses sind.
4. Risiko- und Potentialanalyse
Die Theaterarbeit des Junges Theater Köln ist geprägt von körperlicher Nähe, emotionaler Offenheit, biografischen Inhalten und intensiven Gruppenprozessen. Daraus ergeben sich besondere Risiken. Einzelproben, enge Probenräume, unübersichtliche Backstagebereiche oder wechselnde Orte können Situationen begünstigen, in denen Grenzen überschritten werden. Auch Reisen und Festivals, bei denen Übernachtungen und Mobilität eine Rolle spielen, weisen besondere Risikofaktoren auf. Im digitalen Raum entstehen Risiken durch private Chats oder unklare Kommunikationskanäle. Das Theater begegnet diesen Risiken durch transparente Strukturen, einsehbare Probenräume, dokumentierte Einzelproben, klare Regeln zum Umgang mit Körperkontakt, verbindliche Absprachen bei Kooperationen mit Schulen, sensible Gestaltung von Umkleidesituationen und verbindliche Reise- und Übernachtungsstandards. Digitale Kommunikation erfolgt ausschließlich über projektbezogene, transparente Kanäle.
5. Personalauswahl & erweitertes Führungszeugnis
Alle Personen, die im Rahmen des Theaters regelmäßig mit Minderjährigen arbeiten, müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Bereits im Bewerbungs- und Auswahlverfahren wird die Haltung zum Kinderschutz thematisiert, sodass frühzeitig erkennbar wird, ob eine Person für die pädagogische Arbeit geeignet ist. Neue Mitarbeitende erhalten eine Einführung in das Schutzkonzept und unterschreiben eine Selbstverpflichtungserklärung. Referenzen werden bei Bedarf eingeholt, und regelmäßige Schulungen sorgen dafür, dass alle Beteiligten über aktuelle Standards und Verfahrensabläufe informiert sind.
6. Verhaltenskodex
Der Verhaltenskodex definiert verbindliche Regeln für ein respektvolles Miteinander. Er betont die Verantwortung aller Mitarbeitenden, Grenzen zu respektieren, Machtverhältnisse bewusst wahrzunehmen und ein diskriminierungsfreies Umfeld zu schaffen. Körperliche Nähe ist im Theater häufig Bestandteil der Arbeit, muss jedoch immer klar abgesprochen und freiwillig sein. Intime oder sensible Szenen werden so gestaltet, dass sie für alle Beteiligten sicher bleiben, und unangemessene Sprache oder sexualisierte Kommentare sind strikt untersagt. Private Kontakte wie Einladungen, Geschenke oder Social-Media-Verbindungen werden reflektiert und offen kommuniziert. Foto- und Videoaufnahmen werden ausschließlich mit Einwilligung erstellt. Bei Grenzverletzungen oder Unsicherheiten ist ein kollegiales und offenes Ansprechen ausdrücklich erwünscht.
7. Partizipation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Die Beteiligung der jungen Menschen ist ein zentraler Bestandteil des Schutzkonzepts. Sie werden über ihre Rechte, Ansprechpartner:innen und Beschwerdewege informiert und an der Gestaltung von Regeln für Proben, Reisen und digitale Räume beteiligt. In künstlerischen Prozessen werden ihre Perspektiven ernst genommen und ihre Grenzen
respektiert. Sie erhalten die Möglichkeit, Situationen jederzeit zu verlassen oder Szenen abzubrechen, wenn sie sich unwohl fühlen. Durch Feedbackrunden, Gesprächsangebote und transparente Kommunikation wird die Mitgestaltung der Jugendlichen aktiv gefördert.
8. Präventionsangebote im künstlerischen und pädagogischen Alltag
Im täglichen Arbeitsprozess fördert das Theater aktiv die Stärkung der jungen Menschen. Themen wie Selbstbestimmung, körperliche Autonomie, Nein-Sagen, Diskriminierungserfahrungen oder Machtverhältnisse können explizit in die theaterpädagogische Arbeit einfließen. Methoden der Theater- und Körperarbeit werden eingesetzt, um die Wahrnehmung eigener Grenzen zu verbessern und eine offene Gesprächskultur zu etablieren. Nach intensiven Proben oder Aufführungen stehen Räume für Reflexion und emotionale Verarbeitung zur Verfügung.
9. Ansprechpersonen & Beschwerdewege
Das Junges Theater Köln benennt interne Kinderschutzbeauftragte, die als erste Anlaufstellen bei Sorgen oder Verdachtsfällen dienen. Sie beraten vertraulich, dokumentieren sorgfältig und koordinieren das weitere Vorgehen. Ihre Kontaktdaten werden transparent kommuniziert. Zusätzlich stehen externe Beratungsstellen wie z.B. der Kinderschutzbund zur Verfügung. Beschwerden können jederzeit mündlich, schriftlich oder anonym geäußert werden. Sie werden ernst genommen, sorgfältig geprüft und nachvollziehbar bearbeitet.
10. Handlungsleitfäden bei Verdacht und akuter Gefährdung
Bei Verdacht auf Gewalt oder bei wahrgenommenen Grenzverletzungen gilt grundsätzlich, Ruhe zu bewahren, zuzuhören, niemanden zu bedrängen und keine unrealistischen Versprechen abzugeben. Beobachtungen werden zeitnah dokumentiert und an die internen Ansprechpersonen weitergeleitet. Bei Verdachtsmomenten gegen Mitarbeitende werden sofort geeignete Schutzmaßnahmen eingeleitet, und externe Fachstellen werden einbezogen. Wenn Hinweise auf strafbare Taten bestehen, wird mit Jugendamt oder Polizei zusammengearbeitet. Immer steht der Schutz der betroffenen Person im Vordergrund.
11. Qualitätsmanagement und Fortschreibung
Das Schutzkonzept wird regelmäßig überprüft, überarbeitet und weiterentwickelt. Veränderungen in der Organisation, neue Projektformen, Rückmeldungen von Jugendlichen oder gesetzlichen Änderungen fließen in diesen Prozess ein. Im Rahmen von Teamgesprächen, Jahresplanungen und Evaluationen wird die Umsetzung des Schutzkonzepts reflektiert. Das Ziel besteht darin, dauerhaft ein hohes Schutzniveau zu gewährleisten und transparent weiterzuentwickeln.